Landschaft

Die landschaftliche Eigenart der gesamten Region ist durch die Eiszeit geprägt. Die aus dem Norden kommenden eiszeitlichen Gletscher schufen viele Seen und Hügelketten. Darunter auch die großen Seen in Masuren. Das Ermland grenzt im Norden mit Frauenburg (Frombork) und Braunsberg (Braniewo) an das frische Haff. Beide Städte verfügten auch über kleine Häfen. Die Stadt Braunsberg war zeitweise Mitglied der Hanse. Da Braunsberg mit dem Frischen Haff nur über den Fluß Passarge verbunden ist, konnten nur relativ kleine Schiffe den Hafen anlaufen. Deshalb liefen ihr später die benachbarten, größeren Häfen Königsberg (Kaliningrad) und Elbing (Elblag) den Rang ab. Aber noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte man vom Braunsberger Hafen aus mit regelmäßig verkehrenden Motorbooten schöne Ausflüge über das Haff nach Kahlberg oder Narmeln auf die schmale Landzunge zwischen Haff und Ostsee (frische Nehrung) unternehmen. Auch heute noch kann man von Frauenburg aus mit dem Schiff nach Kahlberg (Krynica Morska) übersetzen und sogar Tagesausflüge nach Königsberg im russischen Teil unternehmen. Von den Türmen des Frauenburger Domes hat man einen herrlichen Ausblick über das frische Haff bis hinüber zur Nehrung.

Frauenburg

In der insgesamt nicht dicht besiedelten Region wechseln kleine Bauerndörfer mit kleineren oder größeren Städten. Zahlreiche schöne Alleen verbinden Stadt und Land. Schon aus der Ferne sind die roten, im Stil der norddeutschen Backsteingotik errichteten Burgen und Kirchen zu erkennen. Neben den Kirchen aus rotem Backstein gab es, insbesondere in Masuren, schlichtere Holzkirchen in den Kirchspieldörfern, von denen sich aber nur wenige erhalten haben. Große Gutshäuser, die teils verfallen, teils wieder gut restauriert sind, künden von einer vergangenen Zeit. Charakteristisch für die Region sind auch die vielen Storchennester auf den Dächern. Ermland und Masuren hat die höchste Storchendichte in Europa.

Zauberhafte Flüßchen wie die Kruttina in Masuren und die Walsch im Ermland schlängeln sich durch Wiesen und Täler. Die Kruttina ist als schönes Paddelrevier bekannt. Es geht durch weite Wiesenräume, verträumte Seen und ursprüngliche grüne Wälder. Hier kann man Biber, Seeotter, Fischadler, Eisvögel, Kraniche und viele weitere Tiere antreffen. Wer nicht selber paddeln will, kann auch von Kruttinen (Krutyn) aus eine kleine Bootstour mit einem Stakboot machen. Der Staker stößt das kleine Holzboot mit einer langen Stange vom Grund ab und bewegt das wacklige Gefährt langsam voran. Nebenbei macht er auch noch seine Bootsgäste auf Sehenswertes im und auf dem Wasser und an den Ufern aufmerksam.

Kruttina

Das Walschtal ist ein liebliches und wildromantisches Flußtal beim Städtchen Mehlsack (Pieniężno) im Ermland. Schon 1907 wurde im Walschtal ein Naturschutzgebiet eingerichtet. In seinen stillen Schluchten und steilen Berghängen blühen seltene Orchideen wie der Frauenschuh und auch der schillernde Eisvogel kommt am Ufer der Walsch vor. Es soll vorgekommen sein, dass sich auch einheimische Mehlsacker zwischen den „Weißen Bergen“ in ihrem eigenen Tal am hellichten Tag verirrt haben und nicht mehr weiterfanden.

Ausgedehnte Waldflächen wie die Johannisburger Heide mit mächtigen Bäumen und riesigen Wacholderbüschen bedecken das Land. Es gibt viele Seen, von denen die größten, wie der Spirdingsee und der Mauersee, im masurischen Gebiet liegen. Seen wie der Niedersee, eingebettet in Wälder, mit bewaldeten Inseln führten zum Mythos vom „Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen“. In der masurischen Seenplatte gibt es eine große Anzahl aus dem Norden Europas stammender Pflanzenarten, sogenannter Eiszeitrelikte. Dazu gehören: Niedrige Birke, Moltebeere, Krähenbeere, Heidelbeer-Weide, Moosglöckchen. Die Seen sind fischreich. Es gibt viele Fischarten wie Welse, Hechte, Zander und als Besonderheit die schnellen, silberhellen Maränen. Die von den Fischern gefangenen und geräucherten Maränen gelten als Delikatesse. Ziemlich verbreitet in den Gewässern ist der Fischotter. Inzwischen hat sich dort auch der Biber verstärkt vermehrt.

Niedersee

Neben den weit verbreiteten Tierarten wie Hirsch, Reh und Wildschwein sind gelegentlich auch Elche anzutreffen. Auch große Raubtierarten wie Wölfe und Luchse kommen vor. Rückgezüchtete Wisente (eine große Wildrinderart – europäischer Bison) werden in der Borker Heide ausgewildert.