Geschichte

Ermland und Masuren waren zwei Regionen im früheren Ostpreußen. Das nördlich von Masuren gelegene Ermland war im Gegensatz zum übrigen Ostpreußen katholisch geprägt. Es hatte als Fürstbistum (Landesherr war der Bischof) schon zur Zeit des Deutschen Ordens (neben den Johannitern und Templern der dritte große Ritterorden) eine gewisse Sonderstellung, da der erste Bischof des Ermlandes, der Lübecker Heinrich Fleming, sein Domkapitel mit Weltpriestern und nicht mit Priesterbrüdern des Deutschen Ordens besetzte. Nach der Schlacht von Tannenberg 1410 verlor der Orden seine Vormachtstellung in der Region, es kam zu einem 13-jährigen Bürgerkrieg. Unzufriedene Adlige und Städte erhoben sich 1454 – 1466 gegen den Orden und wählten den polnischen König zum Schutzherren. Im zweiten Thorner Frieden 1466 kam das Ermland unter polnische Oberhoheit, blieb aber weitgehend autonom. Der König nahm zwar Einfluß auf die Wahl des Bischofs, für die Landbevölkerung des Ermlandes änderte sich dadurch aber wenig. Masuren verblieb zwar wie das übrige Ostpreußen beim Orden, die Ordensherren sollten allerdings dem polnischen König den Treueid leisten. Der Hochmeister Albrecht von Hohenzollern-Ansbach säkularisierte 1525 den ihm verbliebenen Teil des Ordenslandes, wandelte ihn in ein Herzogtum um und führte die Reformation ein. Masuren gehörte damit wie die anderen, dem Orden verbliebenen Landesteile zum ersten Flächenstaat der Reformation, dem Herzogtum Preussen. In Polen wie auch im Ermland setzte sich die Gegenreformation durch. In Braunsberg gründete Bischof Hosius ein Jesuitenkolleg (1564) und ein Missionsseminar (1578) für die nordischen Länder. Herzog Albrecht gründete 1544 die Universität Königsberg, die auch eine theologische Fakultät erhielt. Die für die masurische Bevölkerung bestimmten Pfarrer wurden dort darauf vorbereitet, den Masuren das Evangelium in masurischer Sprache zu predigen. Mehrere Geistliche verfassten Gesangbücher und religiöse Erbauungsliteratur in masurischer Sprache, teilweise im Auftrag der preußischen Regierung.

Die Besiedlung des Ermlandes erfolgte in Nord-Süd Richtung. Die ersten Städtegründungen im Ermland nach der Eroberung des Prußenlandes durch den Deutschen Orden bekamen lübisches Recht (Braunsberg 1284 , Frauenburg 1310). Die ersten Bischöfe des Ermlandes entstammten Lübecker Familien und zogen Siedler aus dem niederdeutschen Raum nach sich. Spätere Bischöfe des Ermlandes kamen aus Schlesien (Heinrich von Neiße) und brachten schlesische Siedler in den mittleren Teil des Ermlandes (die Gegend um Wormditt und Heilsberg). Die ankommenden Siedler vermischten sich im Lauf der Zeit mit der verbliebenen prussischen Bevölkerung. Sie wurden meist zu kulmischem Recht, mit Erblichkeit ihrer Höfe, angesetzt. Im nördlichen und mittleren Teil des Ermlandes assimilierte sich der prussische dem deutschen Bevölkerungsanteil und die prussische Sprache starb langsam aus. Die Herkunft der Siedler machte sich auch bis zum Ende des zweiten Weltkrieges in der Sprache der ermländischen Bevölkerung bemerkbar, so wurde im nördlichen Teil das sogenannte „Käslauische“ (ein niederdeutscher Dialekt) und im mittleren Teil das sogenannte „Breslauische“ (ein schlesischer Dialekt) gesprochen. Da der Zustrom deutscher Siedler Mitte des 14. Jahrhunderts versiegte, kamen auch polnische Siedler in das südliche Ermland (in die Gegend um Allenstein). Hier wurde neben deutsch auch polnisch gesprochen.

Der südliche Teil des früheren Ostpreußen war zur Ordenszeit kaum besiedelt und wurde damals als „große Wildnis “ bezeichnet. Nach 1410, vor allem aber nach 1466 ereigneten sich größere Einwanderungen aus dem angrenzenden Masowien in das wirtschaftlich darniederliegende südliche Ostpreußen. Es kamen vor allem Angehörige des Kleinadels, die hier günstig Güter erwerben konnten. Im südlichen Ostpreußen assimilierte sich die Bevölkerung an die eingewanderten Masuren und nahm die „masurische Sprache“ an. Sie war mit zahlreichen deutschen Worten durchsetzt und machte die Veränderungen des Polnischen in der Neuzeit nicht mit. Im 19. Jahrhundert bürgerte sich für die Bewohner die Bezeichnung Masuren ein. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts sprachen die meisten Masuren neben oder statt des Masurischen Deutsch. Auch viele Orte mit masurischen Namen wurden in neuerer Zeit umbenannt. Erste Ortsumbenennungen gab es bereits 1878. Die weitaus meisten fanden jedoch in einer großen, von den Nationalsozialisten initiieren Aktion im Jahre 1938 statt.

Der wichtigste Wirtschaftszweig war sowohl im Ermland als auch in Masuren die Landwirtschaft. In Masuren wurde auf den meist weniger guten lehmigsandigen oder Sandböden überwiegend Getreide; seit dem späten 18.Jahrhundert auch Kartoffeln angebaut. Das Ermland gehörte zu den fruchtbarsten Gebieten Ostpreußens. Neben dem Ackerbau, widmeten sich die ermländischen Bauern der Viehzucht, der Milchwirtschaft und der Pferdezucht (mittelschwere Kaltblutpferde, sog. „Ermländer“). Nach der Umwandlung der geistlichen Ordensherrschaft in ein weltliches Herzogtum wurden die Ordensgüter zu einem großen Teil als private Gutswirtschaften an die ehemaligen Ordensbrüder abgegeben. Auch in Masuren gab es große Güter. Nach der Bauernbefreiung 1807 musste die Befreiung von allen Verpflichtungen dem Gutsherren oder Domänenpächter gegenüber durch eine 40-jährige Geldrente abgelöst werden. Wurde diese Rente ein Jahr lang nicht gezahlt konnte der Bauernhof eingezogen werden – und das in den Jahren nach der Ausplünderung in den napoleonischen Kriegen und den Mißernten in den 20-er Jahren des 19. Jahrhunderts. Das führte auch in Masuren dazu, dass nicht wenige Bauern ihren Hof an den Gutsherren abtraten und dafür bei ihm als Instleute arbeiteten. Im benachbarten Ermland dagegen hatte der Adel eine wesentlich geringere Bedeutung und das alte freiheitliche Bauernrecht aus der mittelalterlichen Kolonisationszeit mit Erblichkeit ihrer Höfe blieb den Bauern erhalten. Da die ermländischen Bauern auch keine Leibeigenschaft kannten, waren die großen Reformen im Zuge der Bauernbefreiung im Ermland weitgehend überflüssig. Deshalb konnten die ermländischen Bauern auch die schwere Krise besser überstehen, die sich für die wirtschaftlich Schwächeren durch die Bauernbefreiung ergab. In Masuren bot die wirtschaftliche Lage nicht für jeden ausreichend Arbeit und Brot. Die Industrialisierung bot bessere Arbeitsmöglichkeiten und höhere Löhne. Nach 1870 – mit Schwerpunkt um die Jahrhundertwende – gingen viele Jüngere ganz oder zeitweise nach Königsberg, Berlin und vor allem in die Zechen und Fabriken des Ruhrgebietes.

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde auch das Ermland und Masuren von russischen Truppen erobert. Es folgten Flucht und Vertreibung fast der gesamten Bevölkerung Ostpreußens. Heute gehört das Gebiet zur polnischen Woiwodschaft Warmińsko-Mazurskie.

M.H.